Personen der BibelRatgeber
Petrus: der Fischer Simon und Apostel in der Bibel
Petrus hieß eigentlich Simon und war nach den Evangelien Fischer am See Genezareth. In allen Listen der zwölf Apostel steht er an erster Stelle. Die Apostelgeschichte zeigt ihn als Sprecher der ersten Gemeinde in Jerusalem; dass er in Rom gestorben ist, berichtet erst die spätere Überlieferung.

Petrus gehört zu den ersten Jüngern Jesu, und in allen Listen der zwölf Apostel im Neuen Testament steht er an erster Stelle [1]. Die Apostelgeschichte zeigt ihn in ihrer ersten Hälfte als Sprecher der Gemeinde in Jerusalem, Paulus erwähnt ihn in seinen Briefen mehrfach. Zwei Briefe im Neuen Testament tragen seinen Namen. Zitiert wird nach der Lutherbibel von 1912 [2].
Simon, Kephas, Petrus: die Namen
Die Evangelien nennen ihn meist Simon. Paulus verwendet überwiegend den aramäischen Beinamen Kephas, griechisch Petros [1]. Im Johannesevangelium gibt Jesus ihm den Namen bei der ersten Begegnung: "Du bist Simon, Jona's Sohn; du sollst Kephas (Fels) heißen" (Johannes 1,42) [2]. Markus erwähnt die Namensgebung bei der Wahl der Zwölf: "Und gab Simon den Namen Petrus" (Markus 3,16) [2]. Die meisten Forscher gehen davon aus, dass Jesus ihm den Beinamen gab. Einige vermuten eine Anspielung auf den Hohepriester Kajaphas, andere eine Umdeutung von "Edelstein" zu "Fels" [1].
Herkunft und Familie
Simon stammte aus Galiläa und war Fischer am See Genezareth, zusammen mit seinem Bruder Andreas [1]. Markus erzählt die Berufung der beiden: "Folget mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!" (Markus 1,17) [2]. Zum Wohnort gibt es zwei Angaben. Nach Johannes 1,44 war Philippus "von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus", nach Markus 1,29 hatten Simon und Andreas ein Haus in der Stadt, in der Jesus gerade gelehrt hatte, und das war Kapernaum. Ob mit Bethsaida der Geburtsort oder nur ein früherer Wohnort gemeint ist, bleibt offen [1, 2]. Auch der Name des Vaters schwankt zwischen Jona und Johannes [1].

Petrus war verheiratet. Die Evangelien erzählen, wie Jesus seine Schwiegermutter heilt: "die Schwiegermutter Simons lag und hatte das Fieber" (Markus 1,30) [2]. Paulus erwähnt, dass Kephas eine Frau mit auf seine Reisen nahm (1. Korinther 9,5). Ihr Name ist nicht überliefert [1].
Unter den Zwölf
Petrus gehörte zu den ersten Jüngern und zum engsten Kreis um Jesus. Mit Jakobus und Johannes ist er bei der Verklärung dabei (Markus 9,2) und in Gethsemane (Markus 14,33) [1, 2]. Matthäus erzählt, wie er Jesus auf dem Wasser entgegengeht, dann den Wind sieht und zu sinken beginnt: "HERR, hilf mir!" (Matthäus 14,30) [2]. Was die Bibel über die übrigen Mitglieder des Kreises sagt, steht auf der Seite Die zwölf Apostel.
Das Bekenntnis und das Felsenwort
Bei Caesarea Philippi fragt Jesus die Jünger, für wen sie ihn halten. Simon Petrus antwortet: "Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!" (Matthäus 16,16) [2]. Darauf folgt nur bei Matthäus der Satz: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen" (Matthäus 16,18) [2]. Im nächsten Vers verspricht Jesus ihm "des Himmelsreichs Schlüssel" (Matthäus 16,19).
Ob das Felsenwort auf Jesus selbst zurückgeht oder nach Ostern entstanden ist, diskutiert die Forschung [1]. Umstritten ist auch die Deutung. Die katholische Kirche leitet aus der Stelle den Vorrang des Petrus und seiner Nachfolger ab. Evangelikale Ausleger lehnen es ab, darin ein Petrusamt begründet zu sehen, und beziehen den "Felsen" oft auf Christus [1]. Markus erzählt dieselbe Szene kürzer und lässt Jesus Petrus gleich danach zurechtweisen: "Gehe hinter mich, du Satan!" (Markus 8,33) [2].
Die Verleugnung
Auf dem Weg zum Ölberg beteuert Petrus, er werde Jesus nicht verlassen: "Ja, wenn ich mit dir auch sterben müßte, wollte ich dich doch nicht verleugnen" (Markus 14,31) [2]. In der Nacht der Verhaftung wartet er im Hof des Hohenpriesters. Eine Magd erkennt ihn, und er leugnet dreimal, Jesus zu kennen. Dann kräht der Hahn zum zweiten Mal. "Da gedachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm sagte" (Markus 14,72) [2]. Lukas schließt die Szene mit dem Satz: "Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich" (Lukas 22,62) [2]. Alle vier Evangelien erzählen davon (Matthäus 26, Markus 14, Lukas 22, Johannes 18). Die Ereignisse dieser Nacht stellt die Seite Die Passionsgeschichte im Zusammenhang dar.

Petrus als Zeuge nach Ostern
Paulus nennt Petrus als ersten Zeugen der Auferstehung. Im 1. Korintherbrief heißt es über Christus, "daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen" (1. Korinther 15,5) [1, 2]. Auch bei Lukas sagen die Jünger: "Der HERR ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen" (Lukas 24,34) [2]. Im Johannesevangelium erscheint der Auferstandene dagegen zuerst Maria Magdalena [1]. Im letzten Kapitel fragt Jesus Petrus dort dreimal, ob er ihn liebhabe, und gibt ihm den Auftrag: "Weide meine Schafe!" (Johannes 21,17) [2].
Petrus in der Apostelgeschichte
An Pfingsten hält Petrus die erste öffentliche Predigt in Jerusalem (Apostelgeschichte 2,14) [1, 2]. Vor dem Hohen Rat antwortet er mit den anderen Aposteln: "Man muß Gott mehr gehorchen denn den Menschen" (Apostelgeschichte 5,29) [2]. In Caesarea tauft er den römischen Hauptmann Kornelius und seine Hausgenossen, also Menschen, die keine Juden waren. Seine Begründung lautet: "Nun erfahr ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansieht" (Apostelgeschichte 10,34) [1, 2]. König Herodes Agrippa I. lässt ihn gefangen nehmen, ein Engel befreit ihn nach der Erzählung aus dem Gefängnis (Apostelgeschichte 12,3 bis 10) [1, 2]. Beim Treffen der Apostel in Jerusalem tritt er als Fürsprecher des Paulus auf (Apostelgeschichte 15,7 bis 11) [1]. Nach Kapitel 15 kommt er in der Apostelgeschichte nicht mehr vor. Mehr dazu auf der Seite Die Apostelgeschichte.
Paulus zeichnet ein kritischeres Bild [1]. Er berichtet von einem Streit in Antiochia: "Da aber Petrus gen Antiochien kam, widerstand ich ihm unter Augen" (Galater 2,11) [2]. Petrus hatte dort mit Christen aus den Heiden gegessen und sich zurückgezogen, als Leute von Jakobus kamen. Die ganze Szene schildert die Einführung in den Galaterbrief, das Leben des Paulus die Seite Der Apostel Paulus.
Rom und der Tod des Petrus
Über das Ende des Petrus und den Ort seines Todes schweigt das Neue Testament [1]. Johannes 21,18 deutet einen gewaltsamen Tod an. Der folgende Vers erklärt, Jesus habe damit sagen wollen, "mit welchem Tode er Gott preisen würde" (Johannes 21,19) [2]. Einen Aufenthalt in Rom erwähnt die Apostelgeschichte nicht [1].

Der 1. Clemensbrief, nach überwiegender Ansicht zwischen 90 und 100 geschrieben, berichtet von einem Martyrium des Petrus, nennt aber Rom nicht. Die Forschung bezieht die Stelle meist auf die Verfolgung unter Nero im Jahr 64, andere denken an eine Hinrichtung um 67. Eusebius überliefert nach Dionysios von Korinth, Petrus und Paulus hätten in Italien gelehrt und seien zur gleichen Zeit gestorben [1]. Archäologische Spuren einer Verehrung des Petrus in Rom reichen ins 1. Jahrhundert zurück. Ob sie einen Aufenthalt oder ein Grab belegen, ist stark umstritten [1].
Die Petrusbriefe und das Markusevangelium
Der 1. Petrusbrief beginnt mit "Petrus, ein Apostel Jesu Christi" (1. Petrus 1,1) [2]. Ob Petrus ihn selbst geschrieben hat, ist umstritten. Die Mehrheit datiert ihn um 90 in die Zeit des Kaisers Domitian. Dietrich-Alex Koch denkt an die Zeit Trajans nach 100, Marlis Gielen an die Zeit um 130, konservative Ausleger setzen ihn um oder vor 60 an [1]. Der 2. Petrusbrief hängt literarisch vom Judasbrief ab und wird meist nach 110 datiert. Seine Aufnahme in den Kanon war lange umstritten [1].
Papias, Clemens von Alexandria und Eusebius verbinden das Markusevangelium mit Petrus als Quelle. Die Mehrheit der Forschung hält diese Überlieferung nicht für historisch zuverlässig, Martin Hengel hält dagegen an einer Prägung durch Petrus fest [1].
Petrus in den Kirchen
Die katholische Kirche sieht in Petrus den ersten Bischof von Rom und leitet von ihm den Vorrang des Papstes ab. Die Päpste gelten dort als Nachfolger Petri. Orthodoxe, altkatholische und anglikanische Kirchen verehren ihn ebenfalls als ersten Bischof von Rom und als Heiligen. Die übrigen Kirchen lehnen den Anspruch auf einen Vorrang ab, und die evangelischen Kirchen erinnern mit einem Gedenktag an ihn [1]. Historisch gab es im 1. Jahrhundert nach Wikipedia noch keinen einzelnen Bischof an der Spitze einer Gemeinde und keinen Vorrang des Bischofs von Rom [1]. Wie sich die Gemeinden im Reich ausbreiteten, beschreibt geschichte.domain-root.de auf der Seite Die Ausbreitung des Christentums.
- Simon Petrus. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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