Das Neue TestamentRatgeber
Der Brief an Titus: Einführung und alle 3 Kapitel
Der Titusbrief hat 3 Kapitel mit 46 Versen. Er nennt Paulus als Absender und richtet sich an dessen Mitarbeiter Titus, der auf Kreta Älteste einsetzen soll. Mit den beiden Timotheusbriefen bildet er die Pastoralbriefe, die nach der Mehrheitsmeinung der Forschung erst nach dem Tod des Paulus entstanden sind.

"Derhalben ließ ich dich in Kreta, daß du solltest vollends ausrichten, was ich gelassen habe, und besetzen die Städte hin und her mit Ältesten" (1,5) [4]. Mit diesem Auftrag beginnt der eigentliche Inhalt des Briefes an Titus. Er gehört zu den kürzesten Büchern der Bibel und hat 3 Kapitel mit zusammen 46 Versen [1, 3]. Der Brief nennt Paulus als Absender. Ob Paulus ihn selbst verfasst hat, ist heute vielfach bestritten [1]. Zusammen mit dem 1. Brief an Timotheus und dem 2. Brief an Timotheus bildet er die Gruppe der Pastoralbriefe [2]. Zitiert wird nach der Lutherbibel von 1912.
Wer Titus war
Die Apostelgeschichte erwähnt Titus nicht [3]. Was über ihn bekannt ist, steht in den Briefen des Paulus. Im Brief an die Galater erzählt Paulus, dass er mit Barnabas nach Jerusalem zog "und nahm Titus auch mit mir" (Galater 2,1). Titus war Grieche und wurde dort "nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen" (Galater 2,3) [4]. Im 2. Korintherbrief ist er Bote zwischen Paulus und der Gemeinde in Korinth. Paulus berichtet, er habe in Troas "keine Ruhe in meinem Geist" gehabt, als er Titus dort nicht fand (2. Korinther 2,13). Später schreibt er, Gott habe ihn "durch die Ankunft des Titus" getröstet (2. Korinther 7,6). Für die Geldsammlung reist Titus nach Paulus "von selber" nach Korinth (2. Korinther 8,17), und Paulus nennt ihn "mein Geselle und Gehilfe unter euch" (2. Korinther 8,23) [4]. Nach 2. Timotheus 4,10 ging Titus "nach Dalmatien" [4]. Nach Eusebius war Titus der erste Bischof von Kreta [3].

Im Titusbrief selbst heißt er "meinem rechtschaffenen Sohn nach unser beider Glauben" (1,4) [4]. Am Schluss bittet der Absender ihn, nach Nikopolis zu kommen, "denn daselbst habe ich beschlossen den Winter zu bleiben" (3,12) [4].
Die Pastoralbriefe und die Verfasserfrage
Den Namen Pastoralbriefe prägte der Hallenser Theologe Paul Anton. Sein Werk "Exegetische Abhandlung der Pastoralbriefe Pauli" erschien nach seinem Tod 1753/55 [2]. Der Name kommt daher, dass die drei Briefe an Einzelpersonen gerichtet sind, die in Gemeinden Hirtenaufgaben hatten [2].
Zweifel an der Echtheit gibt es seit dem frühen 19. Jahrhundert. Friedrich Schleiermacher hielt 1807 nur den 1. Timotheusbrief für unecht, Johann Gottfried Eichhorn dehnte den Zweifel 1812 auf alle drei Briefe aus [2]. Nach der Mehrheitsmeinung sind die Briefe heute pseudepigraphisch, also Jahre oder Jahrzehnte nach dem Tod des Paulus von einem oder mehreren Schülern unter seinem Namen geschrieben [2]. Jürgen Roloff nennt die Frage "eines der am heftigsten umkämpften Schlachtfelder der neutestamentlichen Exegese" [2].
Gegen Paulus als Verfasser führt die Forschung an, dass Sprache und Stil von den unbestrittenen Briefen abweichen und die Orts- und Zeitangaben nicht zur bekannten Lebensgeschichte passen. Die Gemeinden haben differenziertere Ämter wie Bischöfe, Presbyter und Diakone, und die Briefe berufen sich auf eine feststehende "gute Lehre" [2]. Auch die Überlieferung fällt auf: Die Pastoralbriefe fehlen im Papyrus 46 und im Codex Vaticanus, und Marcion nahm sie nicht in seinen Kanon auf [2]. Die englische Wikipedia nennt für die Forscher, die den Brief für nachpaulinisch halten, eine Spanne von den 80er Jahren bis zum Ende des 2. Jahrhunderts, meist 80 bis 100 [3]. Das älteste erhaltene Stück ist der Papyrus 32 um 200 mit Titus 1,11 bis 15 [3].
Für Paulus als Verfasser werden andere Gründe genannt. Die Briefe lassen sich nach dieser Sicht in die Wirkungszeit des Paulus einordnen, der Titusbrief etwa in eine längere Zwischenreise. Heinrich August Schott erklärte die Unterschiede 1830 mit einem Sekretär, dem Paulus die Formulierung überlassen habe. Roloff nennt das eine "gewagte Hilfskonstruktion" [2]. Bei stilometrischen Untersuchungen weicht der Titusbrief nach Anthony Kenny stärker ab als die übrigen Paulusbriefe, Eta Linnemann fand keinen grundsätzlichen Unterschied [2].
Aufbau des Briefes
Die Einteilung in drei Kapitel stammt aus dem Mittelalter [1]. Nach dem Inhalt ergibt sich diese Gliederung [1, 4]:
| Verse | Inhalt |
|---|---|
| 1,1 bis 4 | Absender, Empfänger, Gruß |
| 1,5 bis 9 | Auftrag auf Kreta, Anforderungen an Älteste und Bischöfe |
| 1,10 bis 16 | Gegen Irrlehrer, das Wort über die Kreter |
| 2,1 bis 15 | Weisungen für Alte, Junge, Frauen, Männer und Knechte |
| 3,1 bis 11 | Verhalten gegenüber der Obrigkeit, Taufe und Wiedergeburt |
| 3,12 bis 15 | Reisepläne und Grüße |
Inhalt im Überblick
Älteste für Kreta (Kapitel 1)
Der Brief beginnt mit einem ausführlichen Absender. Paulus nennt sich darin "ein Knecht Gottes und ein Apostel Jesu Christi" (1,1) und spricht von der "Hoffnung des ewigen Lebens" (1,2). Der Gruß an Titus lautet "Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater" (1,4) [4]. Danach kommt der Brief gleich zur Sache. Titus soll in den Städten Kretas Älteste einsetzen. Die Anforderungen sind konkret: Der Kandidat soll "untadelig" sein, "eines Weibes Mann, der gläubige Kinder habe" (1,6). Ein Bischof soll unter anderem "nicht eigensinnig, nicht zornig, nicht ein Weinsäufer" sein, dafür "gastfrei, gütig, züchtig, gerecht" (1,7 bis 8) [4]. Die deutsche Wikipedia verweist auf die ähnliche Liste in 1. Timotheus 3,1 bis 7 [1]. Der Vers 1,6 wird nach Wikipedia häufig von Kritikern des Zölibats angeführt [1].

Dann folgt eine Warnung vor "freche und unnütze Schwätzer und Verführer" (1,10), die "jüdischen Fabeln" verbreiten (1,14) [4]. Nach der deutschen Wikipedia gab es auf Kreta eine starke jüdische Gemeinde, was unter den neu bekehrten Christen zu Verwirrung führte [1]. Der Kapitelschluss enthält den Satz "Den Reinen ist alles rein" (1,15) [4].
Ordnung im Haus (Kapitel 2)
Kapitel 2 gibt Weisungen für einzelne Gruppen. Die alten Männer sollen "nüchtern" und "ehrbar" sein (2,2), die alten Frauen sollen die jungen lehren, "ihren Männern untertan" zu sein (2,4 bis 5), und die Knechte sollen ihren Herren "untertänig" sein (2,9) [4]. Die Stelle 2,3 bis 5 wird nach Wikipedia oft von Gegnern feministischer Theologie herangezogen [1]. Begründet werden die Weisungen mit dem Satz "Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen" (2,11) [4].
Obrigkeit, Taufe und Abschied (Kapitel 3)
Die Christen sollen "den Fürsten und der Obrigkeit untertan und gehorsam" sein (3,1). Der Abschnitt 3,4 bis 7 spricht von der Rettung "nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit", und zwar "durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes" (3,5) [4]. Gegen Streit über "Geschlechtsregister" und das Gesetz rät der Brief, sich davon fernzuhalten (3,9). Am Ende nennt er Artemas, Tychikus, den Schriftgelehrten Zenas und Apollos (3,12 bis 13) [4].
"Die Kreter sind immer Lügner"
In 1,12 heißt es über die Kreter: "Es hat einer aus ihnen gesagt, ihr eigener Prophet: »Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche.«" Der nächste Vers beginnt mit "Dies Zeugnis ist wahr" (1,13) [4]. Der zitierte Vers stammt aus einem verlorenen Gedicht. Clemens von Alexandria schrieb ihn dem Kreter Epimenides zu, der im 7. bis 5. Jahrhundert vor Christus gelebt haben soll [5].

Aus diesem Satz wurde in der Logik das Paradoxon des Epimenides: Ein Kreter sagt, alle Kreter seien Lügner. Ein Widerspruch im strengen Sinn entsteht daraus nicht. Wer unter einem Lügner jemanden versteht, der manchmal lügt, findet keinen Widerspruch. Versteht man darunter mit Bertrand Russell jemanden, der nie die Wahrheit sagt, ist der Satz einfach falsch [5]. Zum echten Paradoxon wird erst die zugespitzte Form "Ein Mann sagt: Ich lüge gerade" [5].
Die Kapitel im Überblick
Die Zitate stehen in der Schreibweise der Lutherbibel von 1912, etwa "daß" und "Weib". Die drei Kapitel und ihre 46 Verse folgen der üblichen Zählung. Wer die drei Pastoralbriefe vergleichen will, liest dazu den 1. Brief an Timotheus, der ähnliche Regeln für Gemeindeämter enthält. Den Mitarbeiter Titus erwähnt auch der Brief an die Galater in Kapitel 2. Über den Apostel, unter dessen Namen der Brief steht, informiert die Seite Der Apostel Paulus. Die Geschichte der Insel vor der Römerzeit beschreibt die Seite Die minoische Kultur auf Kreta auf geschichte.domain-root.de.
Alle Kapitel: Titus
- Brief des Paulus an Titus. Wikipedia. Stand 22.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Pastoralbriefe. Wikipedia. Stand 21.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Epistle to Titus. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Paradoxon des Epimenides. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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